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Die Finanzkrise und die ISA

Die Finanzkrise des Jahres 2008 hat nach Meinung der EU-Kommission die Schwächen des europäischen Systems der Abschlussprüfungen deutlich zutage treten lassen. Hierzu veröffentlichte die Kommission 2010 mit ihrem Initiativrecht für die EU-Rechtsetzung ein Grünbuch zur Abschlussprüfung mit dem Ziel, die Anforderungen an Abschlussprüfungen in Europa zu verschärfen, um zukünftige Krisen frühzeitiger erkennen zu können. Grundlage dieser Verschärfung sollte die Anwendung internationaler Prüfungsstandards werden – der ISA (International Standards on Auditing) und der ISQC (International Standards on Quality Control).

Die ISA und die ISQC wurden vom International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) erarbeitet, bei dem es sich um ein Gremium des International Federation of Accountants (IFAC / Internationale Vereinigung der Wirtschaftsprüfer) handelt. Nach Abschluss der Überarbeitung der ISA im sog. Clarity Project hat der Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) seine Prüfungsstandards überarbeitet und an die ISA angepasst (IDW EPS 001).

Die aktuelle Fassung des § 317 Abs. 5 HGB sieht vor, bei der Durchführung von Abschlussprüfungen künftig die ISA anzuwenden, sobald sie in europäisches Recht übernommen wurden. Die Vorschläge der EU-Kommission sehen sogar eine direkte Pflicht zur Anwendung der ISA bei allen Abschlussprüfungen in der EU vor, ohne dass zuvor eine Übernahme in EU-Recht erfolgt. Das IDW unterstützt diesen Vorschlag, um einer einseitigen politischen Einflussnahme auf EU-Standards seitens der Mitgliedsstaaten entgegenzuwirken. Da die EU-Kommission die ISA bislang noch nicht angenommen hat, sind sie gegenwärtig noch nicht gesetzlich verpflichtend bei der Prüfung von Jahresabschlüssen in Deutschland anzuwenden. Die freiwillige Anwendung ist jedoch zulässig.

Der Vorstand der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) veröffentlichte im März 2012 Hinweis zur skalierten Prüfungsdurchführung auf Grundlage der ISA mit einer Gegenüberstellung der IDW Prüfungsstandards und der ISA. In der Berufssatzung für Wirtschaftsprüfer / vereidigte Buchprüfer von 2016 wurde mit § 39 Abs. 1dem Berufsstand die Möglichkeit gegeben, eine der Größe, der Komplexität und dem Risiko des Prüfungsgegenstands angemessene Prüfung durchzuführen.(„skalierte Prüfungsdurchführung“).

Im November 2011 hat das IDW und die DATEV eine Kooperation geschlossen zur Entwicklung einer Softwarelösung für eine skalierte, risikoorientierte Prüfung. Das Ergebnis ist der IDW Prüfungsnavigator, integriert in das IDW Praxishandbuch zur Qualitätssicherung (2018, 11. Auflage, 522 Seiten). Der Prüfungsnavigator ist auch Bestandteil des DATEV – Programm Abschlussprüfung Comfort. Im November 2014 erklärte das IDW, dass DATEV mit dem "Zentraldokument" und den überarbeiteten IKS-Arbeitspapieren eine nach den Verhältnissen des Einzelfalls ausgestaltete, d.h. skalierte Abschlussprüfung entsprechend den IDW-Prüfungsstandard ermöglicht.

Weiterführende Links:
 

Handelsgesetzbuch: § 317, Abs. 5 HGB